Die Wirkung bewegt uns zur Inklusion

4 Schritte zum Aufbau einer integrativen Arbeitskultur

[Foto des Dialog im Dunkeln Teams in Dhahran, Saudi Arabia, während der feierlichen Verleihung der Zertifikate nach bestandener Ausbildung zu Guides im Dunkeln.

„Ich kam aus der Dunkelheit und konnte nicht aufhören über das Erlebte nachzudenken. Ich saß eine ganze Weile in meine Gedanken vertieft. Ich ging die Erfahrung in der Dunkelheit immer wieder durch, ohne Bilder, aber voller Begeisterung. Ich verspürte das Verlangen, diese Erfahrung zu teilen und wollte den „Dialog im Dunkeln“ in meine Stadt bringen.“

Die obigen Zeilen sind ein Auszug aus dem, was viele aktuelle und ehemalige Partner*innen uns über ihre Gedanken und Gefühle erzählt haben, die ihre Absicht auslösten, den "Dialog im Dunkeln" zu reproduzieren, und die in der Regel auf einen Besuch der Ausstellung folgten.

Seit mehr als 30 Jahren haben wir bei DSE den "Dialog im Dunkeln" zig-fach in der Welt verbreitet. Die Ausstellung wird global von Partner*innen betrieben, die nach einer kurzen Beratungs- und Schulungsphase ihren Veranstaltungsort selbständig betreiben. Die meisten dieser Partner sind Menschen, die nicht mit einer Behinderung leben und deren Kontakt zu Menschen mit Behinderungen sich auf die Begegnung mit ihrem blinden Guide während ihres Besuchs bei "Dialog im Dunkeln" beschränkt.

Wie ist es möglich, dass jemand, der nur wenig Kontakt mit Behinderungen hatte, ein Projekt startet, bei dem die Mehrheit der Mitarbeitenden Menschen mit Sehbehinderungen sein müssen?

Die Antwort liegt in der Wirkung, die nach unserer Erfahrung der Motor von inklusiven Projekten ist.

Bei unseren Partner*innen geht es zum einen um die Wirkung auf die Besucher*innen: in mehr als 30 Jahren haben mehr als 10 Millionen Menschen eine der Ausstellungen besucht. Die überwiegende Mehrheit ist von dem Erlebnis stark beeindruckt und bleibt mit einem neuen Bewusstsein zurück. Und unter diesen Tausenden von Besucher*innen gibt es mit Sicherheit einige, die noch lange über das Erlebte nachdenken und sich berufen fühlen, auch in ihrem Umfeld etwas zu bewirken.

Auf der anderen Seite gibt es die Auswirkungen auf das Personal mit Sehbehinderungen. Dies ist schwer zu messen, bis unsere Partner*innen in die Rekrutierung und Ausbildung einbezogen werden. Erst dann entwickeln sie ein Verständnis für die Realität dieser Menschen mit Behinderungen, die im Allgemeinen unter Bedingungen sozialer und arbeitsrechtlicher Marginalisierung gelebt haben, und die in ihrer Ausstellung die Möglichkeit erhalten, ein wirtschaftliches Einkommen zu erzielen, die Gesellschaft zu beeinflussen und oftmals ein neues Selbstwertgefühl durch Arbeit entwickeln.

Diese Wirkung ist nachhaltig und hält so lange an, wie die Ausstellung ihre Türen geöffnet hat. Jeden Tag zeigen die Besucher*innen, die an einer Führung teilnehmen, ihre Dankbarkeit und Begeisterung. Jeden Tag wächst die Professionalität der Mitarbeiter*innen mit Behinderungen, ebenso wie ihr Engagement und ihre Leidenschaft für eine integrativere Gesellschaft.

Und die Wirkung hält an, auch wenn die Ausstellungen geschlossen werden. In der Regel werden wir von Personen kontaktiert, die daran interessiert sind, Partner zu werden oder eine DiD-Veranstaltung erneut zu erleben, weil sie Ausstellungen besucht haben, die vor Jahren geschlossen wurden. Auch Guides mit Behinderung schätzen noch Jahre nachdem sie aufgehört haben für DiD zu arbeiten, diese Beschäftigungsmöglichkeit sehr.

Und für uns als Berater*innen ist es bemerkenswert, wie diese Saat der Inklusion keimt, wächst und gedeiht. Die Partner*innen sind zu Expert*innen geworden und die ersten, die sich der Aufgabe verschrieben haben, integrativere Gesellschaften zu schaffen. Auch ohne unser Zutun ist das große Netzwerk der Partner*innen robust und erzielt die größte Wirkung.

Und wir glauben, dass dieses Rezept in jeder Organisation umgesetzt werden kann, die in diesen 4 Schritten eine integrative Kultur aufbauen und aufrechterhalten möchte.

Kläre die Inklusionsbotschaft: Was möchtest du deiner Gemeinschaft durch deine Inklusionsinitiative mitteilen? Im Falle unserer Partner*innen hat die Botschaft viele Formen, aber sie läuft auf die Tatsache hinaus, dass eine Welt ohne Bilder immer noch eine reiche und menschliche Welt ist, in der wir alle gleich sind.

Von Anfang an inklusiv: Stelle sicher, dass deine Initiative von Anfang an inklusiv ist: mit ihnen und nicht für sie! Kein/e Partner*in ist überrascht, wenn wir ihm mitteilen, dass unsere Ausstellung von sehbehinderten Mitarbeiter*innen bedient werden muss. Die Partner*innen haben mindestens einen blinden Guide kennen gelernt, und ihre Fähigkeiten sind ihnen so klar, dass niemand daran zweifelt, dass sie die Expert*innen sind.

Mach dich mit der Realität der unterrepräsentierten Gruppen vertraut: Wie kannst du mit der Realität der Gruppen, die in deiner Organisation vertreten sind, in Kontakt kommen? Im Falle unserer Partner*innen geschieht dies, wenn sie die Kandidat*innen mit Sehbehinderung während der Einstellung kennenlernen und dann während der Ausbildung eng mit den neuen Betreuer*innen zusammenleben. Es gibt KEINEN anderen Weg, inklusive Regeln des Zusammenlebens zu verstehen und mitzugestalten, als gemeinsam zu arbeiten und Zeit zu verbringen.

Verliere die Wirkung nicht aus den Augen: Wie kannst du die Wirkung deiner Initiative ständig spüren und sie mit den Sponsor*innen teilen, um die integrativen Bemühungen zu unterstützen? Unsere Partner*innen müssen sich nur die Geschichten der Mitarbeiter*innen mit Behinderungen anhören, die erzählen, wie die Arbeit ihr Leben verändert, oder bei der Ausstellung vorbeischauen und mit den Besucher*innen sprechen, die aus dem Dunkeln kommen, um sich durch ihre Kommentare neu zu motivieren.